Über uns

Gemeinsam die Stimme erheben

In 2025 hat das Jewish Chamber Orchestra Hamburg (JCOHH) mit der Konzertreihe Büschen Meschugge ein klares Versprechen eingelöst: jüdische Kultur sichtbar, lebendig und vielfältig erlebbar zu machen. Vom Auftakt zum jüdischen Frühlingsfest Pessach bis zum Abschluss am Nikolaustag, kurz vor Chanukka, spannte sich ein musikalischer Bogen durch das Jahr – über unterschiedliche und außergewöhnlich Orte wie dem Uebel & Gefährlich im Feldbunker oder dem Hamburger Planetarium und schließlich zurück in die Elbphilharmonie.

Das JCOHH ist so zu einem der sichtbarsten kulturellen Akteure einer neuen jüdischen Gegenwartskultur geworden – ein Orchester, das tief in Hamburgs Geschichte verwurzelt ist und doch mit jedem Konzert eine Zukunft komponiert.

Kann ein Orchester die Welt?


„Musik kann als Instrument der Hoffnung das Potenzial haben, dem Fatalismus Widerstand zu leisten und Veränderungen zu bewirken, und wir können das Musizieren in Gemeinschaft als ein zwar nicht-sprachliches, aber dennoch öffentliches Handeln verstehen. Hier werden aktuelle Entwicklungen aufgegriffen und neue Diskurse angestoßen; das gemeinsame Musizieren ist somit im Sinne Hannah Arendts auch eine politische Gemeinschaft, ein „acting in concert“ – mit der Lizenz zur Weltveränderung.

Das Jewish Chamber Orchestra Hamburg steht für fantastische musikalische Leistungen und außerordentlich kreative Veranstaltungsformate. Vor allem aber steht es für die Verbundenheit in einer Gemeinschaft, in der wir einander zuhören ­ sowohl in der Musik als auch in Worten. 

Gerade in Zeiten, in denen der gesellschaftliche Unmut wächst, in denen Angst geschürt und polarisiert wird, in denen Menschen ausgegrenzt werden, brauchen wir Räume des Miteinanders, wie sie das Jewish Chamber Orchestra eröffnet. In den Veranstaltungen wird immer wieder jene gute Art der Neugierde gegenüber der Welt geschürt, die zu Streifzügen, aber auch zum Ankommen einlädt.

Die Projekte des Orchesters zeigen, wie in einem solchen Miteinander Offenheit, Kreativität und der Mut, Grenzen zu überwinden, gelebt werden können. Sie zeigen, was möglich ist, wenn künstlerischer Anspruch und gesellschaftliches Engagement Hand in Hand gehen.“ 


Unsere Mission

In einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Spannungen wird das JCOHH zu einem lebendigen Symbol für Hoffnung und Verantwortung. Seine Konzerte sind keine Rückschau, sondern zukunftsgerichtete Erinnerungsarbeit in Bewegung – Musik als Dialog mit der Gesellschaft, mit der Geschichte und mit der Welt.

Wir werden manchmal gefragt, wo wir denn in der aktuellen politischen Lage stehen. Wir antworten an dieser Stelle gerne mit der von uns hoch geschätzten Hannah Arendt, der jüdischen deutsch-US-amerikanischen Politischen Theoretikerin und Publizistin: „Politik handelt vom Zusammen- und Miteinandersein der Verschiedenen.“ Genau dafür spielen wir auf – mit all unseren Kräften.

Künstlerischer Anspruch


Das Jewish Chamber Orchestra Hamburg realisiert zahlreiche Konzertreihen und Gastspiele in vielen Städten Deutschlands und in der Schweiz. Dabei kooperiert es stets mit namhaften und höchst engagierten Kooperationspartnern sowie renommierten Kultur- und Bildungsinstitutionen.

Kooperierende Künstler:innen

  • Anton Barakhovsky. 1. Konzertmeister Symphonieorchester Bayrischer Rundfunk.
  • Prof. Leonid Gorokhov. Cellist. Musikhochschule London und Hannover.
  • Prof. Luz Leskowitz. Violinist, Dozent, Juror, Lektor. Mozarteum Salzburg.
  • Iris Berben. Schauspielerin. Leo-Baeck-Preis, Bundesverdienstkreuz 1. Klasse u.a.
  • Jens Harzer. Schauspieler. Träger des Iffland-Ringes, Rolf-Mares-Preis u.a.
  • Peter Lohmeyer. Schauspieler. Zweifacher Deutscher Filmpreis.
  • Dr. Sonja Valentin. Dramaturgin, Regisseurin. Diverse Theater- und Filmprojekte
 u.a. mit Karin Beier, Peter Zadek und István Szabó in Hamburg, London und Berlin.
  • Sewan Latchinian. Schauspieler, Regisseur. Künstl. Leiter Hamburger Kammerspiele.
  • Gesine Cukrowski, Schauspielerin. Hans-Rosenthal-Ehrenpreis, Ehrenpreis Inspiration des Deutschen Schauspielpreises.
  • David Geringas, Cellist, Rostropowich Schüler, mehrfach ausgezeichnet u.a. Ehrung für die beste Kammermusikeinpielung des 19. und 20./21. Jahrhunderts, Gastprofessuren an der University of Southern California und Manhattan School of Music, annähernd 100 herausragende CD Einspielungen.
  • Gustav Peter Wöhler, Schauspieler, Sänger und Hörspielsprecher. Er prägte das Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg über 14 Jahre und arbeitete mit Claus Peymann, Peter Zadek und Frank Castorf zusammen. Dazu Rollen in Kino, Fernsehen und mit der Gustav Peter Wöhler Band tourt er seit den 1990ern deutschlandweit. 
  • LEVI.SCT (Levi Schechtmann) ist ein genreübergreifender deutscher Pianist. Er verbindet scheinbar mühelos die emotionale Tiefe klassischer Komponist:innen mit der rohen Energie von Hip-Hop und House. Bei Instagram folgen ihm bereits mehr als 1,5 Millionen Menschen.

Förderpartner

Im Herbst 1934 leitete Edvard Moritz in Hamburg das Jüdische Kammerorchester, das sich aus Berufsmusikern und guten Amateurmusikern jüdischer Herkunft zusammensetzte.

1934/35

Das Kammerorchester, das durch einen Spendenfonds sowie Konzerteinnahmen finanziert wurde und bald nach der Gründung der Jüdischen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft (der Vorläuferin des Jüdischen Kulturbundes in Hamburg) beitrat, gab innerhalb von fünf Monaten fünf Konzerte, teilweise mit Wiederholungsterminen. Dann musste es seine Tätigkeit wieder einstellen. 

1935

Zunächst wurde Moritz als „nichtarisches“ Mitglied in die Reichsmusikkammer aufgenommen. Am 19. Aug. 1935 wurde er als sogenannter „Volljude“ aus dieser Zwangsberufsorganisation wieder ausgeschlossen. 

1937

Edvard Moritz gelingt die Flucht in die USA, er bleibt als Komponist, Dirigent und Musiklehrer tätig, stirbt 1974

2018

Cellist Pjotr Meshvinski und Violinistin Natalia Alenitsyna gründen das „Jewish Chamber Orchestra Hamburg“

2018/19

Erste Konzertreihe mit vier Konzerten, Abschlusskonzert in der Laeiszhalle


2020

Konzertreihe in größerer Besetzung geplant, fällt aus wegen Lockdown in der Corona-Pandemie

2021

12-teilige Reihe „Musikalisch-Literarische Stolpersteine“ in den Hamburger  Kammerspielen / Gründer und Leiter Pjotr  Meshvinski stirbt an den Folgen seines Diabetes / das JCOHH steht vor dem Aus

2022

Konzertreihe „Druschba“ – Benefizkonzerte für geflüchtete Menschen aus der Ukraine
 / Meshvinskis Sohn Emanuel (damals 20) übernimmt die Leitung des Orchesters, Restrukturierung, Neuaufstellung und  Wiederaufnahme der Vereins- und  Orchesterarbeit

2023

Erstmalig mit 12 Musiker:innen und über 450 Gästen beim Gedenkkonzert Novemberpogrome / Wieder-Uraufführung Edvard Moritz Streichquartett

2024

„Musikalische Stolpersteine“ für die Synagogengemeinde Konstanz und Jüdische Kultusgemeinde Dortmund / 180 Jahre Tempeleinweihung Poolstraße Hamburg / Phönix Festival zu verfemter Kultur / Gedenkkonzert Novemberpogrome im Rolf-Liebermann-Studio Hamburg und Lessingtheater Wolfenbüttel

2025

80 Jahre Holocaust-Gedenken im Gymnasium Eppendorf / Konzertreihe „Büschen Meschugge“ startet mit zwei ausverkauften Konzertabenden „Hoffnung. Aufblühen. Neuanfang.“ im Kleinen Saal der Elbphilharmonie / „Ami Technu Vol 1″ im Musikclub Uebel & Gefährlich und Planetarium Hamburg / „Eine kleine Küchenmusik“ / Stolperstein-Verlegung mit dem Helene-Lange-Gymnasium / / Gastauftritt bei „AGIT – Lieder des Widerstands“ beim Nordlied Festival / Musikalische Begleitung „Jüdische Emigration im frühen 20. Jahrhundert“, eine Veranstaltung der Hapag-Lloyd Stiftung und dem Deutsche Fördererkreis der Universität Haifa / „Brücken aus Klang“ bei den Kulturwochen Mittlerer Osten / Gastauftritt beim Jubiläumskonzert Leonid Desyatnikov in der HfMT JazzHall / Abschlusskonzert Büschen Meschugge 2026 „Hava Nagila Hamburg“ in der Elphi Großer Saal mit 2.000 Gäst:innen